Samstag, 31. Januar 2009

Ina Will's Wissen (II) - Recycling

Das Recycling-System in Taiwan lässt sich in drei Worten beschreiben: Geben und nehmen. Es ist so simpel und doch sehr effektiv und relativ kostensparend.

In Taiwan gibt es kein Pfandsystem und auch fast keine Glasflaschen. Die meisten Getränke werden in Plastikbehältern abgefüllt. Da das Leitungswasser in Taiwan nur abgekocht genießbar und dann aber auch nicht gerade gut schmeckt, kaufe ich jeden Tag mindestens eine Flasche Wasser. Und das macht ganz Taiwan genauso. Die Anzahl der wegzuwerfenden Flaschen ist somit enorm hoch! Wie schafft es die taiwanesische Regierung also, dass die Bevölkerung die Flaschen zum Recycling bringt und nicht einfach in den normalen Müll schmeißt?!

1. Für Plastik- und Papiermüll bekommt man Geld

Wenn man Plastik- oder Papiermüll zu bestimmten Sammelstellen bringt, bekommt man dafür der Menge entsprechend Geld. Den meisten Leuten ist das natürlich zu umständlich, doch in einem Hochhaus gibt es mit sicherheit immer jemanden, der sich ein paar extra Pfennige verdienen möchte. Wir z.B. bringen einfach unseren Plastik- und Papiermüll ins Erdgeschoss und stellen ihn vor den Haupteingang. Unsere Nachbarin entsorgt ihn dann für uns und wir sind froh, dass wir uns nicht darum kümmern müssen.

2. Müllbeutel kosten Geld

Wir könnten natürlich auch den Plastik- und Papiermüll mit dem normalen Müll entsorgen. Aber das macht hier auch keiner. Warum? Weil die Mülltüten in Taiwan Geld kosten.

In einem früheren Blog habe ich doch berichtet, dass der Müll jeden abend von der Müllabfuhl von einer bestimmten Sammelstelle abgeholt wird. Die Müllabfuhr nimmt den Müll aber nur mit, wenn er in bestimmten Tüten weggeworfen wird. Ähnlich wie der "gelbe Sack" in Würzburg. Und diese Tüten kosten Geld und sind nicht gerade billig. Für zehn 24 L Tüten zahlt man an die sechs Euro und für Taiwanesen ist das viel Geld! Da überlegt man es sich zweimal, ob man den sperrigen Plastik- und Papiermüll mitreinschmeißt. In Deutschland ist das System im Grund ja genauso. Man bezahlt halt mit den Steuern die Müllabfuhr. Aber das Bewusstsein doch ein ganz anderes, wenn bei jedem Kauf von Mülltüten ein paar Geldscheine weniger im Geldbeutel sind. Oder nicht?

3. Übrigens:

mit dem Sperrmüll verhält es sich genauso. Wenn man größere Sachen entsorgen möchte, stellt man diese einfach an den Straßenrand. Dadurch hilft man sogar automatisch armen Leuten, die diese einsammeln und zur Sammelstelle bringen. Ein weiterer Vorteil von diesem System ist, dass man oft Möbel findet, die vielleicht schon alt und dreckig, aber immer noch gut zu gebrauchen sind. Unser zu Hause z.B. besteht zur Hälfe aus Sachen, die wir auf der Straße eingesammelt haben. Meine beiden taiwanesischen Mitbewohnerinnen sind wahre Profis im Möbelaufsammeln.

So waren wir drei letztens zusammen abendessen. Und auf dem Rückweg im Bus schreit Jasmin auf einmal auf "Ina!!". Ich total erschrocken "was ist los?!" "dort am Straßenrand waren grad Stühle und die sahen wirklich gut aus!" Der Bus war in voller Fahrt und es war stockfinster draußen. Wie konnte sie bitteschön erkennen, dass die Stühle brauchbar sind?! Später fuhren wir jedoch nochmal mit dem Motorroller an die stelle und nun sind wir um viel "neue" Stühle reicher. Wirklich praktisch!

Wie ihr sehen könnt, wieder mal ein Musterbeispiel dafür, wie man mit einfachen aber cleveren Ideen scheinbar schwierige Probleme lösen kann!

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