
Und dann auf einmal - steht man da - und hat Zeit. Furchtbar viel Zeit. Dann diese unendlich schwere Müdigkeit und die Frage: "hat man die richtige Entscheidung getroffen?!". Erstmal schlafen... viel schlafen. Doch es kommt der Zeitpunkt, da kann man nicht mehr schlafen. Und man sitzt im Bett sich fragend: "was nun tun?!"
Ja, was für eine Woche. Gestern war Chorkonzert. Es war wundervoll! Das Publikum war begeistert. Und auch ich saß im Publikum - es war meine persönliche Entscheidung.
Alles begann mit einer Arbeitserlaubnis. Vor etwa zwei Monaten erklärte mir eine "Sopran-Leaderin"(SL), dass ich für das Konzert eine Arbeitserlaubnis bräuchte. Da der Chor für die Konzerttickets Entgelt verlangte, würde ich aus rechtlicher Sicht sozusagen für den Chor arbeiten. Ich fand das Ganze recht lächerlich und meinte nur, wozu der Aufwand?! Doch SL erzählte mir daraufhin, dass vor einiger Zeit in einem anderen Chor ein Ausländer nach einem Konzert von der Polizei festgenommen wurde, weil er eben keine Arbeitserlaubnis für dieses Konzert aufweisen konnte. Ihm wurde daraufhin das Stipendium weggenommen und er musste sofort Taiwan verlassen. Er darf das Land für die nächsten fünf Jahre nicht betreten.
Somit war klar. Ich brauchte diese Arbeitserlaubnis. Doch letzten Dienstag kam ich frühs zur Probe und SL sagte mir, dass ich keine Erlaubnis bekommen würde. Was tun?!
SL meinte, ich solle trotzdem beim Konzert mitsingen. Sie würde mir versichern, dass mich niemand anschwärzen würde. Schließlich habe ich bereits drei Ganztagsproben hinter mir und mein Tanzpartner würde auch allein dastehen, wenn ich nicht mitsingen würde. Es folgte noch eine minutenlange Auflistung von Gründen, warum ich nicht "nein" sagen sollte. Ob sie mir bis Mittag Zeit zum Nachdenken geben könnte? Nein, das ist nicht möglich. Schließlich bräute sie eine schnelle Entscheidung, wegen eventuellen Änderungen an der Tanzformation. "Gut" meinte ich, "dann lautet meine Antwort: ich kann nicht mitsingen. Für mich ist das keine wirkliche Entscheidung. Aus meiner Sicht habe ich keine andere Wahl. Würde ich aussehen, wie eine Asiatin, wäre die Situation andes. Doch sieh mich an, es ist als ob ich mich auf einem sibernen Tablett serviere. Das Risiko, mag es noch so niedrig sein, kann ich nicht eingehen." So verabschiedete ich mich bereits, während die anderen erst am Einsingen waren.
Auf dem Heimweg existierte in meinem Kopf nur eine Frage: habe ich die richtige Entscheidung getroffen?! Hätte ich das Risiko nicht eingehen sollen?! Ein halbes Jahr Proben, jede Woche Prüfungen - alles umsonst?! Um meine Stimmung noch zu unterstreichen regnete es draußen in Strömen. Hm, ist also nicht nur so ne Hollywood-Masche. Durch meine Kopfhörer höre ich Christina Aguilera singen "trust the voice within....". Alles einfach ein bisschen zu viel... Erst mal schlafen....
Nun saß ich da - am Freitag abend - im Publikum, nachdem ich zwei Tage durchgeschlafen und den dritten Tag im Bett verbracht hatte, und sang leise die Lieder mit. Für mich persönlich habe ich beschlossen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Das halbe Jahr war nicht umsonst, denn schließlich hatte ich viele neue Leute kennengelernt und es war super toll in so einem solchen erstklassigem Chor zu singen. Doch wärend ich mir den Auftritt ansah, dachte ich mir nur: "für einen Künstler ist die Bühne doch die schönste Belohnung". Nun daran muss ich wohl noch arbeiten - mich mit dem zufrieden zu geben, was ich habe und nicht immer mehr haben zu wollen. Und wirklich, was ich in diesem halben Jahr an Erfahrung erworben habe ist nicht wenig.

Nach dem Konzert gabs noch eine after-Party, wo ich nochmal sehr viel Spaß hatte!
An den Chor auf jeden Fall ein riesen großes Dankeschön für diese tolle Zeit!
Und somit, ist die Akte "Chor" geschlossen.

ich und Jessica - die zwei Ausländer im Chor nach dem Konzert
Ja, was für eine Woche. Gestern war Chorkonzert. Es war wundervoll! Das Publikum war begeistert. Und auch ich saß im Publikum - es war meine persönliche Entscheidung.
Alles begann mit einer Arbeitserlaubnis. Vor etwa zwei Monaten erklärte mir eine "Sopran-Leaderin"(SL), dass ich für das Konzert eine Arbeitserlaubnis bräuchte. Da der Chor für die Konzerttickets Entgelt verlangte, würde ich aus rechtlicher Sicht sozusagen für den Chor arbeiten. Ich fand das Ganze recht lächerlich und meinte nur, wozu der Aufwand?! Doch SL erzählte mir daraufhin, dass vor einiger Zeit in einem anderen Chor ein Ausländer nach einem Konzert von der Polizei festgenommen wurde, weil er eben keine Arbeitserlaubnis für dieses Konzert aufweisen konnte. Ihm wurde daraufhin das Stipendium weggenommen und er musste sofort Taiwan verlassen. Er darf das Land für die nächsten fünf Jahre nicht betreten.
Somit war klar. Ich brauchte diese Arbeitserlaubnis. Doch letzten Dienstag kam ich frühs zur Probe und SL sagte mir, dass ich keine Erlaubnis bekommen würde. Was tun?!
SL meinte, ich solle trotzdem beim Konzert mitsingen. Sie würde mir versichern, dass mich niemand anschwärzen würde. Schließlich habe ich bereits drei Ganztagsproben hinter mir und mein Tanzpartner würde auch allein dastehen, wenn ich nicht mitsingen würde. Es folgte noch eine minutenlange Auflistung von Gründen, warum ich nicht "nein" sagen sollte. Ob sie mir bis Mittag Zeit zum Nachdenken geben könnte? Nein, das ist nicht möglich. Schließlich bräute sie eine schnelle Entscheidung, wegen eventuellen Änderungen an der Tanzformation. "Gut" meinte ich, "dann lautet meine Antwort: ich kann nicht mitsingen. Für mich ist das keine wirkliche Entscheidung. Aus meiner Sicht habe ich keine andere Wahl. Würde ich aussehen, wie eine Asiatin, wäre die Situation andes. Doch sieh mich an, es ist als ob ich mich auf einem sibernen Tablett serviere. Das Risiko, mag es noch so niedrig sein, kann ich nicht eingehen." So verabschiedete ich mich bereits, während die anderen erst am Einsingen waren.
Auf dem Heimweg existierte in meinem Kopf nur eine Frage: habe ich die richtige Entscheidung getroffen?! Hätte ich das Risiko nicht eingehen sollen?! Ein halbes Jahr Proben, jede Woche Prüfungen - alles umsonst?! Um meine Stimmung noch zu unterstreichen regnete es draußen in Strömen. Hm, ist also nicht nur so ne Hollywood-Masche. Durch meine Kopfhörer höre ich Christina Aguilera singen "trust the voice within....". Alles einfach ein bisschen zu viel... Erst mal schlafen....
Nun saß ich da - am Freitag abend - im Publikum, nachdem ich zwei Tage durchgeschlafen und den dritten Tag im Bett verbracht hatte, und sang leise die Lieder mit. Für mich persönlich habe ich beschlossen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Das halbe Jahr war nicht umsonst, denn schließlich hatte ich viele neue Leute kennengelernt und es war super toll in so einem solchen erstklassigem Chor zu singen. Doch wärend ich mir den Auftritt ansah, dachte ich mir nur: "für einen Künstler ist die Bühne doch die schönste Belohnung". Nun daran muss ich wohl noch arbeiten - mich mit dem zufrieden zu geben, was ich habe und nicht immer mehr haben zu wollen. Und wirklich, was ich in diesem halben Jahr an Erfahrung erworben habe ist nicht wenig.
Nach dem Konzert gabs noch eine after-Party, wo ich nochmal sehr viel Spaß hatte!
An den Chor auf jeden Fall ein riesen großes Dankeschön für diese tolle Zeit!
Und somit, ist die Akte "Chor" geschlossen.

ich und Jessica - die zwei Ausländer im Chor nach dem Konzert

2 Kommentare:
das war die richtige Entscheidung ;), auch wenn das ganze in Taiwan nicht sehr streng genommen wird, hätte ich es auch nicht riskiert. Angeblich zahlen Unternehmen ja sogar an Örtliche Sichereitseinrichtungen einen kleinen Betrag, damit diese nicht unangemeldet vorbei kommen ;)
@milkalex:
echt? Ist ja krass. Danke auf jeden Fall für die Zustimmung! ;-)
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