Nächste Woche ist Chinesisch Neujahr. Dafür müssen einige Vorbereitungen getroffen werden. Schließlich will man in einem frischen und sauberen Zustand das neue Jahr beginnen.
Was den sichtbaren Dreck anbelangt, wird dieser beim Neujahrsputz entfernt.
Doch was tun mit dem unsichtbaren Dreck? Wie hält man bitte all die bösen Geister von seinem Haus fern?
Und hört hört, es gibt eine Lösung. Laßt mich euch heute in die Geheimnisse der Geisterbekämpfung einführen... Dazu diese kurze Geschichte:
Es war einmal ein kleines Dorf am Meer. Im Meer schlummerte ein Monster, das jedes Jahr zur Silvesternacht erwachte. Hungrig von dem einjährigen Schlaf ging das Monster ins Dorf um einige Einwohner des Dorfes zu verspeisen. Um nicht auf der Speisekarte des Monsters zu landen flüchteten die Dorfbewohner bereits einige Tage vor Silvester in die nahe gelegenen Berge, denn sie wussten, das Monster würde ihnen nicht bis dahin folgen.
Eines Tages war es wieder soweit. Die Einwohner packten ihre Sache und machten sich auf den Weg in die Berge. Doch die Dorfälteste war bereits fast erblindet und ihre Beine waren schwach. So sagte sie zu ihren Söhnen "geht ohne mich voraus, ich komme langsam nach". Insgeheim hatte sie jedoch schon beschlossen, dass sie das Dorf nicht verlassen wird. So blieb sie ganz alleine zurück.
Es wurde langsam dunkel und die alte Frau wusste, das Monster würde bald kommen. Da klopfte es an ihrer Tür. "Wer ist da?" fragte sie. Und eine alte Männerstimme antwortete "Ich bin ein Reisender und suche eine Bleibe für die Nacht". Die alte Frau öffnete die Tür und fand einen alten Mann vor sich stehen. Sie fragte überrascht: "na, weißt du denn nicht, dass heute abend das Monster kommt?! Falls du die Nacht überleben willst, geh in die Berge - dort ist es sicher". Der alte Mann antwortete jedoch: "ach das Monster. Das fürchte ich nicht. Ich habe solch einen riesen Hunger, bitte mach mir doch was zu essen". Die Dorfälteste dachte sich nur: "nun gut, dem kann man auch nicht mehr helfen" und meinte "meine Söhne haben fast alles Essbare mitgenommen. Ich habe nur noch einige wenige Reste übrig." Der alte Mann meinte nur: "wunderbar! Dann machen wir aus den Resten gefüllte Teigtaschen - das wird uns beide satt machen. Doch bevor du anfängst zu kochen, bring mir bitte alle roten Sachen, die du hier im Haus hast, die werde ich draußen vor die Tür hängen". Die Dorfälteste wunderte sich zwar über den Sinn des ganzen Aufwandes, doch tat sie, was der alte Mann von ihr verlangte. Danach machte sie sich daran, die Reste kleinzuhacken. "Tack, tack, tack, tack, tack..." was für eine Arbeit!! Und das wo sie doch ihren letzten Abend auf Erden in Ruhe genießen wollte!! Draußen war es bereits stockdunkel und man hörte nur das Echo vom Hackmesser "tack, tack, tack, tack, tack...".
Da erwachte das Monster und kroch aus dem Meer empor. Hungrig im Dorf angekommen fand es jedoch niemanden, den es verspeisen konnte. Hungrig ging es von einem Haus zum anderen, doch alle Häuser waren leer. Da hörte es auf einmal ein ungewohntes Geräusch "tack, tack, tack, tack, tack....". "Hm?! Was ist das für ein Lärm?" dachte sich das Monster "müssten doch eigentlich alle schon längst schlafen?!" So ging es in die Richtung aus der das Geräusch kam. Und das Geräusch wurde immer lauter und lauter. Für das Monster, das die Todesstille des Meeres gewohnt war, war dieser Lärm kaum erträglich. Doch der Hunger trieb es weiter. Am Haus der Dorfältesten angekommen traf es jedoch der nächste Schock. Was war das für ein grelles Rot an der Haustür?! Für das Monster stach die Farbe derart hervor, dass ihm die Augen schmerzten. "Was ist das für ein verflixtes Dorf?! Erst machen sie mich taub und dann auch noch blind!! Ich hab genug! Ich geh wieder nach Hause!". So ging das Monster zurück ins Meer, ohne einen Happen gegessen zu haben. Derweil saßen die Dorfälteste und der alte Mann am Feuer und ließen sich die Teigtaschen schmecken. Am nächsten Morgen wurde die alte Frau von ihren zurückgekehrten und äußerst erstauten Söhnen geweckt "wie kommt es, dass du noch lebst?! Wie konntest du dem Monster entkommen?!". Der alte Mann sagte nur "das Monster hasst laute Geräusche und kann auch keine rote Farbe ausstehen, so einfach ist das ganze".
Seit diesem Tag hängt man vor Neujahr rote Papierstreifen mit Neujahrswünschen (in schwarzer oder goldener Schrift) an die Haustür (sogenannte Chunlian) und zündet an Silvester rote Feuerkracher an. Außerdem ist es Brauch, am Silvesterabend gefüllte Teigtaschen zu essen. So einfach ist das! ;-)

ich beim schreiben der Chunlian; mein erster Versuch mit dem Pinsel zu schreiben. Gar nicht so einfach...

Feuerkracher - zündet man unten an - und ab geht die Post!!


Hier meine Kreationen: "Frühling" kopfüber geklebt (Grund dafür ist ein chinesisches Wortspiel) (oben); "möge alles reibungslos verlaufen" (unten)

unsere Haustür