von links: Yasu (Japaner), Changda (Mongole), Frau Luo (Lehrerin), ich, Chunhao (Koreaner), Sophia (Amerikanerin), Timuzhen (Mongole)
Donnerstag, 23. April 2009
Meine Klasse (3. Quartal)
von links: Yasu (Japaner), Changda (Mongole), Frau Luo (Lehrerin), ich, Chunhao (Koreaner), Sophia (Amerikanerin), Timuzhen (Mongole)
Qingming Fest - 清明節
(Gräber)
Am Qingming Fest darf man nach einer ca. 2500 Jahre alten Tradition keine warmen bzw. gekochten Sachen essen. Den Grund dafür erzählt folgende Geschichte:
Vor langer langer Zeit gab es einen Prinzen namens Zhong-er (重耳), der eigentlich der rechtmäßige Thronfolger war. Doch einige einflussreiche Adelige wollten statt seiner einenm anderen Prinzen zur Macht verhelfen, um ihren eigenen Einfluss zu stärken. So kam es zwischen Zhong-er und den Adeligen zu einem blutigen Krieg. Während dieses Krieges begann eine schreckliche Hungerkatastrophe und Zhong-er war kurz davor zu verhungern. Doch da kam ihm ein treuer Freund namens Jie Zhitui (介之推) zu Hilfe. Dieser schnitt sich ein Stück Fleisch aus seinem Oberschenkel, machte daraus eine Suppe und gab sie dem Prinzen zu essen. Zhong-er war somit gerettet. Er entdeckte später auch die tiefe Wunde bei seinem Freund und war zutiefst gerührt von dessen Loyalität. So verspracht Zhong-er dem Jie Zhitui den höchsten Posten am Hofe, falls er den Krieg gewinnen und zum König gekrönt werden sollte.
Nach einigen Jahren gewann Zhong-er tatsächlich den Krieg und wurde zum König gekrönt. Er reformierte das Land und regierte mit strenger aber rechten Hand. Doch das Versprechen, dass er seinem Freund gegeben hatte, hatte er längst vergessen und Jie Zhitui war mit seiner Mutter aufs Land gezogen. Nach einigen Monaten jedoch machte der Hofmeister den König auf das Versprechen aufmerksam. Zhong-er erinnerte sich und machte sich mit seinem Gefolge sofort auf den Weg, um Jie Zhitui vom Land zurück zu holen.
Die Nachricht, dass der König mit seinem Gefolge durchs Land ziehe, um seinen Freund an den Hof zu holen erreichte kurze Zeit später auch Jie Zhitui. Dieser konnte sich über diese Neuigkeit jedoch gar nicht freuen. Er genoss das ruhige Leben auf dem Lande und seine Mutter war auch schon so alt, dass sie nicht alleine gelassen werden konnte. Doch was tun? Wenn der König erstmal von seiner Haustüre steht, dann hat Jie Zhitui keine Wahl als mit dem König mitzugehen. Des Königs Wort ist Gesetz!
So packte Jie Zhitui seine Habseligkeiten und floh mit seiner Mutter auf den nahe gelegenen Berg. Einige Tage später kam der König am Haus seines ehemaligen Lebensretters an und fand es verlassen und leer. Ein Nachbar erzählte ihm, dass er gesehen habe, wie Jie mit seiner Mutter in den Wald hinein gegangen sei, doch der König war ratlos. Er hatte nicht genügend Leute dabei, um den ganzen Berg nach Jie abzuzuschen. Was nun also tun? Da schlug ein Soldat vor: "wie wäre es, wenn wir den Berg abbrennen? Wenn die beiden das Feuer sehen, werden sie schon von selbst rauskommen. Wir müssen dann nur hier unten warten, bis sie rausgerannt kommen." Was für eine gute Idee! Sofort wurde rund um den Berg Feuer gelegt.
Der Berg brannte lichterloh und der König wartete. Und wartete... und wartete.... bis schließlich alles abgebrannt war und kein Baum mehr auf dem Berg stand. Doch keine Spur von Jie Zhitui. Wo ist er bloß hin?! Der König stieg selber auf den nun schwarzen Berg. Und da - an einem noch rauchenden Baumstamm fand er die verkohlte Gestalten einer am Boden kauernden Frau fest umschlungen von einem Mann.

Der König war erschüttert. Den Mann, der ihm einst das Leben gerettet hatte, hatte er nun auf grausamste Weise umgebracht. Mit eigener Hand baute er an diesem Ort ein Grab und besuchte dieses jedes Jahr. Außerdem befahl er dem Volke, dass es an diesem Tag kein Feuer zum Kochen benutzen dürfe. Seither ist es Tradition, dass am Qingming Fest nur kalte Sachen gegessen werden dürfen.
Ob sich die Legende tatsächlich so abgespielt hat... wer weiß?! Dass es den König und seinen Freund aber tatsächlich gegeben hat, ist erwiesen.
Zeit für ein Mittagsschläfchen
Nun kam ich nach Taiwan, ging nach dem Mittagessen in die Unibibliothek und fand des Rätsels Lösung. Die unausweichliche Müdigkeit nach einer guten Mahlzeit hängt offensichtlich mit meinen asiatischen Genen zusammen! In der angenehm kühlen Bibliothek sind ab etwa 13 Uhr alle Plätze besetzt - mit schlafenden Studenten. Die konfortablen Sofas sind natürlich besonders beliebt und wenn man dann noch einen Freund hat, den man als Kissen benutzen kann - einfach fantastisch!
Naja, ob das so toll ist den Mittagsschlaf zu erzwingen... doch eher zweifelhaft. Doch grundsätzlich kann ich doch nur sagen:
EIN HOCH AUF MEIN RECHT AUF EIN UNGESTÖRTES NICKERCHEN!!
Dienstag, 24. März 2009
Schnipp, schnapp - ab!

vorher



schnipp, schnapp!

nachher
Der Sommer kann kommen!!
Montag, 23. März 2009
Long time no see....
Und ich entdecke gerade, dass ich heute doch tatsächlich mein 7 monatiges Jubiläum hier in Taiwan feiere! Wie die Zeit doch vergeht... Nur gut, dass ich meinen ursprünglichen Plan, nur 7 Monate in Taiwan zu verbringen auf ein ganzes Jahr abgeändert habe. Sonst wäre ich schon wieder in Deutschland um am 1. April mein Referendariat zu beginnen. Jetzt bleibt mir noch eine 5-monatige Schonfrist, die ich gut gebrauchen kann.
In den letzten zwei Monaten ist auch einiges passiert. So hab ich seit drei Wochen wieder neue Klassenkameraden, eine Freundin aus Würzburg hat mich für drei Wochen besucht, ich war auf Reisen, etc. Über die Einzelheiten werde ich demnächst in Ruhe berichten. Natürlich gibts auch wieder einige Fotos zu sehen.
Die größte Neuigkeit aber ist wohl, dass ich seit fast vier Wochen einen neuen Mitbewohner habe. Und zwar - meinen Vater. Ja ihr lest schon richtig. Da meine ursprüngliche Mitbewohnerin ein viermonatiges Stipendium zum Bergsteigen in Frankreich und Japan bekommen hat, hat mein Vater sich bereit erklärt, das Zimmer für diesen Zeitraum zu übernehmen. So gehen wir jeden Morgen zusammen in die Uni, um Chinesisch zu lernen.
Mein Vater hat sich auch schon ganz gut in der Uni eingelebt. Wenn ich mal vor meinem Vater in der Uni bin, dann fragen die Leut mich nicht mehr "hallo Ina, wie geht's?", sondern "hallo Ina, wo ist dein Papa?". Jaja, sehr populär mein Herr Papa. Dann gibt es immer wieder welche, die sich wundern, was für einen alten Freund ich doch habe... "sag mal, du weißt schon, dass das mein Papa ist.." "ach, das ist dein Vatern, ach soooo, ahhh".
Nun ja, im Großen und Ganzen ist es aber nicht viel anders, als wenn ich einen "ganz normalen" neuen Mitbewohner hätte. Eigentlich ists ganz witzig. Wann kommt es schließlich schon mal vor, dass Vater und Tocher miteinander dasselbe studieren? Aber irgendwie schon eine sehr außergewöhnliche Familie - die Helms...
Mittwoch, 4. Februar 2009
Zum Dahinschmelzen süß, oder einfach nur ohrenbetäubend...
Das Verhalten ist ja irgendwie noch auszuhalten aber bei der Stimme kann ich nur sagen: "eine Oktave tiefer bitte... bitte?!" Wenn kein männliches Wesen in der Nähe ist, können die Mädels nämlich auch "normal" reden. Doch solange die Männer drauf fliegen, hab ich wohl keine Chance mich durchzusetzen.
Wie könnt ihr euch nicht vorstellen?! Na dann hier eine kleine Kostprobe aus der Werbung:
http://www.youtube.com/watch?v=cdOgUdGUM0w
Nord-Ost Hot-Pot
Als wir ankamen standen wir vor einer Art "Kazerne". Ein kleines einstöckiges Gebäude mit Wellblechdach, umzäunt mit Stacheldrahtzaun. Jasmin erzählte mir, dass es sich hier früher um eine Firmenkantine handelte. Das soll der berümteste Hot-Pot Laden in ganz Taipei sein?! Das findet doch kein Mensch!!
Stimmt nicht ganz. Das findet nur kein Ausländer. Wieder mal einer dieser "geheimen Orte" in Taipei. Und brechend voll!! Obwohl wir reserviert hatten mussten wir etwa eine viertel Stunde anstehen. Und das unter der Woche. An Wochenenden muss man angeblich stundenlang Schlange stehen, wenn man nicht reserviert hat.
Nun gut, da saßen wir nun in dieser äußerst dreckigen "Lagerhalle". Und um uns herum dampften die Kessel. Als aller erstes sich am Büffet mit Fleisch (es gab etwa 5-6 verschiedene Fleischsorten) und Gemüse eindecken und an der Saucenbar seine eigene Sauce zusammenmischen.
Für etwa 8 Euro durfte man sich am Buffet so oft bedienen, wie man will.
(Dazu gabs diese 蔥油餅 Congyoubing. Das sind ölige Pfannkuchen mit Frühlingszwiebeln und eine taiwanesische Spezialität, die man überall auf der Straße bekommen kann.)
Zurück am Tisch kam auch schon unser Hot-Pot. Uiii...
.
Ganz unten seht ihr die Kohle glühen. Darauf ein Topf mit heißer Brühe. In der Mitte ein Kamin mit Deckel. Je nachdem ob man den Deckel auf oder zu macht, kann man die Hitze der Brühe regulieren.
Also auf geht's! Alle Zutaten einfach in die Brühe rein und nach kurzem Kochen anfangen zu essen!
(unsere Bedienung, der uns kompetent durch den Abend begleitete)
Das besondere an diesem Hot Pot ist nicht nur die äußere Form (die meisten Hot-Pots in Taiwan haben keinen Kamin), sondern dass man in die Brühe eine Art Sauerkraut hinzufügt. Dadurch erhält alles eine etwas säuerliche Geschmacksrichtung. Ich fands erfrischend und richtig lecker!
Wie man sieht, hat's uns sehr gut geschmeckt. ;-)
Noch ein gemeinsames Abschlussfoto: Peace~ and a happy new year!!
Dienstag, 3. Februar 2009
Fotos
angekommen gabs gleich was zu essen. Wie ihr seht saßen wir zu sechst an einem kleinen runden Tisch. Jeder mit ner Schale Reis, kann man sich mit seinen eigenen Stäbchen an den Gerichten in der Mitte bedienen.
Nach dem Mittagessen mit der Familie Majang spielen. Im Bild der Papa und die Mama meiner Lehrerin.
und wer gewinnt?! Natürlich ich ;-)
Dann gabs Abendessen. Hat alles der Papa von meiner Lehrerin gekocht. Hmmm... das sieht aber gut aus...
Gruppenfoto mit der Mutter meiner Lehrerin, meinem Klassenkameraden Ed und dem Mann meiner Lehrerin.
und das ist die Festtagstafel:
Prosit Neujahr!!
Am nächsten morgen koche ich Frühstück. Es gibt Reisteig mit Eimantel und Kuchen.
lecka....
Dann auf zur Oma - wieder zum Essen.... Vorne sieht man die hochschwangere jüngere Schwester meiner Freundin und ihren Mann. Die anderen kennt ihr ja schon ;-)
Samstag, 31. Januar 2009
Panda-Fieber
Wen interessiert schon der Ex-Präsident, der wegen Verdachts der Geldwäsche, Herstellung von falschen Beweisen und Veruntreuung von öffentlichen Geldern in zweistelliger Millionenhöhe in U-Haft sitzt?! Seine reuevoll flennende Schwiegertocher will doch auch kein Mensch sehen! Also bitte *augenroll*!
Viel wichtiger und aufregender ist doch: Taiwan hat das Panda-Fieber gepackt!
Letzten Monat schenkte uns die VR China Tuantuan 團團 und Yuänyuän 圓圓. Zusammen ergeben sie Tuan-Yuän 團圓, was "Wiedervereinigung" bedeutet. Hm...wie konnte Taiwan ein solches Geschenk nur annehmen? Aber wie sagt man doch so schön: einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul. Stimmt, schon gar nicht solch zwei entzückenden Kuschelbärchen!!


Seit diesen Montag kann man die beiden auch im taipeier Zoo besichtigen....äh, vielleicht ist "kurz sehen" der bessere Ausdruck. Denn wer die beiden besuchen möchte, muss zur Zeit mindestens vier Stunden anstehen und darf ganze 30 Sekunden vor ihrem Gehege verbringen. 4 Stunden für 30 Sekunden! Ob man da noch Freude an den beiden hat? Und das mit der Wiedervereinigung, naja, da bin ich mir nicht so sicher. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass zumindest der Zoo äußerst dankbar für dieses Geschenk ist.
Ina Will's Wissen (II) - Recycling
In Taiwan gibt es kein Pfandsystem und auch fast keine Glasflaschen. Die meisten Getränke werden in Plastikbehältern abgefüllt. Da das Leitungswasser in Taiwan nur abgekocht genießbar und dann aber auch nicht gerade gut schmeckt, kaufe ich jeden Tag mindestens eine Flasche Wasser. Und das macht ganz Taiwan genauso. Die Anzahl der wegzuwerfenden Flaschen ist somit enorm hoch! Wie schafft es die taiwanesische Regierung also, dass die Bevölkerung die Flaschen zum Recycling bringt und nicht einfach in den normalen Müll schmeißt?!
1. Für Plastik- und Papiermüll bekommt man Geld
Wenn man Plastik- oder Papiermüll zu bestimmten Sammelstellen bringt, bekommt man dafür der Menge entsprechend Geld. Den meisten Leuten ist das natürlich zu umständlich, doch in einem Hochhaus gibt es mit sicherheit immer jemanden, der sich ein paar extra Pfennige verdienen möchte. Wir z.B. bringen einfach unseren Plastik- und Papiermüll ins Erdgeschoss und stellen ihn vor den Haupteingang. Unsere Nachbarin entsorgt ihn dann für uns und wir sind froh, dass wir uns nicht darum kümmern müssen.
2. Müllbeutel kosten Geld
Wir könnten natürlich auch den Plastik- und Papiermüll mit dem normalen Müll entsorgen. Aber das macht hier auch keiner. Warum? Weil die Mülltüten in Taiwan Geld kosten.
In einem früheren Blog habe ich doch berichtet, dass der Müll jeden abend von der Müllabfuhl von einer bestimmten Sammelstelle abgeholt wird. Die Müllabfuhr nimmt den Müll aber nur mit, wenn er in bestimmten Tüten weggeworfen wird. Ähnlich wie der "gelbe Sack" in Würzburg. Und diese Tüten kosten Geld und sind nicht gerade billig. Für zehn 24 L Tüten zahlt man an die sechs Euro und für Taiwanesen ist das viel Geld! Da überlegt man es sich zweimal, ob man den sperrigen Plastik- und Papiermüll mitreinschmeißt. In Deutschland ist das System im Grund ja genauso. Man bezahlt halt mit den Steuern die Müllabfuhr. Aber das Bewusstsein doch ein ganz anderes, wenn bei jedem Kauf von Mülltüten ein paar Geldscheine weniger im Geldbeutel sind. Oder nicht?
3. Übrigens:
mit dem Sperrmüll verhält es sich genauso. Wenn man größere Sachen entsorgen möchte, stellt man diese einfach an den Straßenrand. Dadurch hilft man sogar automatisch armen Leuten, die diese einsammeln und zur Sammelstelle bringen. Ein weiterer Vorteil von diesem System ist, dass man oft Möbel findet, die vielleicht schon alt und dreckig, aber immer noch gut zu gebrauchen sind. Unser zu Hause z.B. besteht zur Hälfe aus Sachen, die wir auf der Straße eingesammelt haben. Meine beiden taiwanesischen Mitbewohnerinnen sind wahre Profis im Möbelaufsammeln.
So waren wir drei letztens zusammen abendessen. Und auf dem Rückweg im Bus schreit Jasmin auf einmal auf "Ina!!". Ich total erschrocken "was ist los?!" "dort am Straßenrand waren grad Stühle und die sahen wirklich gut aus!" Der Bus war in voller Fahrt und es war stockfinster draußen. Wie konnte sie bitteschön erkennen, dass die Stühle brauchbar sind?! Später fuhren wir jedoch nochmal mit dem Motorroller an die stelle und nun sind wir um viel "neue" Stühle reicher. Wirklich praktisch!
Wie ihr sehen könnt, wieder mal ein Musterbeispiel dafür, wie man mit einfachen aber cleveren Ideen scheinbar schwierige Probleme lösen kann!
Donnerstag, 29. Januar 2009
Happy 牛(niu) year!
Punkt 11 Uhr letzten Sonntag abend riefen alle Taiwanesen beherzt:
Frohes neues Jahr!!
Nach dem chinesischen Mondkalender endete das Jahr der Maus und nun sind wir im Jahr des Rindes. Wie toll! 2mal hintereinander Silvester und Neujahr feiern! Hm?! 11 Uhr?! Richtig, im alten China hatte ein Tag nur 23 Stunden.
Meine Lehrerin hatte mich und meinen Klassenkameraden Ed zu diesem Anlass für drei Tage zu sich nach Hause eingeladen. Schließlich können die Taiwanesen den Gedanken nicht ertragen, dass man zu Neujahr alleine in Taipei rumhängt. Wo doch um diese Zeit kein Mensch in Taipei ist!!
Nun gut, so ging es Sonntag um 11 Uhr frühs Richtung Taoyuan, südlich von Taipei, zu den Eltern meiner Lehrerin. Nach chinesischer Tradition darf eine verheiratete Tochter eigentlich nicht ihre Eltern vor dem zweiten Neujahrstag besuchen. Das bringt Unglück. Schließlich gehört sie zur Familie ihres Mannes und muss daher Silvester und den ersten Neujahrstag bei seinen Eltern verbringen. Da jedoch die Eltern des Mannes meiner Lehrerin schon verstorben sind, haben ihre Eltern Glück und können ihre Tochter schon zu Silvester sehen. Sonst hätten sie Silvester zu zweit verbringen müssen, denn meine Lehrerin hat nur zwei Schwestern die auch verheiratet sind. So waren wir aber zu sechst und in den folgenden drei Tagen haben wir gegessen, gegessen, gegessen... Die Eltern meiner Lehrerin kochen einfach auch zu gut!
Nach dem Silvesteressen kriegen die Kinder und Gäste sogenannte Hongbao (紅包).Mit anderen Worten - es gibt Geld in roten Umschlägen. Ja, für uns zwei gab es auch Geld und zwar von meiner Lehrerin und von ihren Eltern. Nun sag ma's mal so, das Geld, das ich für die Gastgeschenke ausgegeben habe (Gastgeschenke sind ein Muss in Asien!) hab ich jetzt wieder drin. Kinder, die schon berufstätig sind, bekommen kein Geld mehr. Im Gegenteil. Sie überreichen ihren Eltern als Zeichen der Dankbarkeit einen ziemlich fetten Umschlag. Eine weitere Tradition ist es, sich am Neujahrstag ganz in Rot zu kleiden. Am Besten auch die Unterwäsche! Das bringt Glück. Doch im Großen und Ganzen ist Neujahr in Taiwan eigentlich vergleichbar mit Weihnachten in Deutschland. Man isst viel und trifft sich mit Verwandten und Freunden.
Jetzt bin ich wieder in Taipei... und es ist wirklich nix los hier!! Fast alle Geschäfte sind geschlossen. Die Straßen sind leer. Und was wirklich nervig ist, ist dass man rund um die Uhr das laute Knallen von Feuerwerkskörpern hört. Ihr wisst schon, die mit denen man böse Geister verjagt. Aber wirklich RUND UM DIE UHR! Aber das Wetter ist wunderbar! Sonne und angenehme 20 °C plus. Perfekt für einen Neujahrsspaziergang.
Sonntag, 25. Januar 2009
Die Entscheidung

Ja, was für eine Woche. Gestern war Chorkonzert. Es war wundervoll! Das Publikum war begeistert. Und auch ich saß im Publikum - es war meine persönliche Entscheidung.
Alles begann mit einer Arbeitserlaubnis. Vor etwa zwei Monaten erklärte mir eine "Sopran-Leaderin"(SL), dass ich für das Konzert eine Arbeitserlaubnis bräuchte. Da der Chor für die Konzerttickets Entgelt verlangte, würde ich aus rechtlicher Sicht sozusagen für den Chor arbeiten. Ich fand das Ganze recht lächerlich und meinte nur, wozu der Aufwand?! Doch SL erzählte mir daraufhin, dass vor einiger Zeit in einem anderen Chor ein Ausländer nach einem Konzert von der Polizei festgenommen wurde, weil er eben keine Arbeitserlaubnis für dieses Konzert aufweisen konnte. Ihm wurde daraufhin das Stipendium weggenommen und er musste sofort Taiwan verlassen. Er darf das Land für die nächsten fünf Jahre nicht betreten.
Somit war klar. Ich brauchte diese Arbeitserlaubnis. Doch letzten Dienstag kam ich frühs zur Probe und SL sagte mir, dass ich keine Erlaubnis bekommen würde. Was tun?!
SL meinte, ich solle trotzdem beim Konzert mitsingen. Sie würde mir versichern, dass mich niemand anschwärzen würde. Schließlich habe ich bereits drei Ganztagsproben hinter mir und mein Tanzpartner würde auch allein dastehen, wenn ich nicht mitsingen würde. Es folgte noch eine minutenlange Auflistung von Gründen, warum ich nicht "nein" sagen sollte. Ob sie mir bis Mittag Zeit zum Nachdenken geben könnte? Nein, das ist nicht möglich. Schließlich bräute sie eine schnelle Entscheidung, wegen eventuellen Änderungen an der Tanzformation. "Gut" meinte ich, "dann lautet meine Antwort: ich kann nicht mitsingen. Für mich ist das keine wirkliche Entscheidung. Aus meiner Sicht habe ich keine andere Wahl. Würde ich aussehen, wie eine Asiatin, wäre die Situation andes. Doch sieh mich an, es ist als ob ich mich auf einem sibernen Tablett serviere. Das Risiko, mag es noch so niedrig sein, kann ich nicht eingehen." So verabschiedete ich mich bereits, während die anderen erst am Einsingen waren.
Auf dem Heimweg existierte in meinem Kopf nur eine Frage: habe ich die richtige Entscheidung getroffen?! Hätte ich das Risiko nicht eingehen sollen?! Ein halbes Jahr Proben, jede Woche Prüfungen - alles umsonst?! Um meine Stimmung noch zu unterstreichen regnete es draußen in Strömen. Hm, ist also nicht nur so ne Hollywood-Masche. Durch meine Kopfhörer höre ich Christina Aguilera singen "trust the voice within....". Alles einfach ein bisschen zu viel... Erst mal schlafen....
Nun saß ich da - am Freitag abend - im Publikum, nachdem ich zwei Tage durchgeschlafen und den dritten Tag im Bett verbracht hatte, und sang leise die Lieder mit. Für mich persönlich habe ich beschlossen, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Das halbe Jahr war nicht umsonst, denn schließlich hatte ich viele neue Leute kennengelernt und es war super toll in so einem solchen erstklassigem Chor zu singen. Doch wärend ich mir den Auftritt ansah, dachte ich mir nur: "für einen Künstler ist die Bühne doch die schönste Belohnung". Nun daran muss ich wohl noch arbeiten - mich mit dem zufrieden zu geben, was ich habe und nicht immer mehr haben zu wollen. Und wirklich, was ich in diesem halben Jahr an Erfahrung erworben habe ist nicht wenig.
Nach dem Konzert gabs noch eine after-Party, wo ich nochmal sehr viel Spaß hatte!
An den Chor auf jeden Fall ein riesen großes Dankeschön für diese tolle Zeit!
Und somit, ist die Akte "Chor" geschlossen.

ich und Jessica - die zwei Ausländer im Chor nach dem Konzert
Donnerstag, 22. Januar 2009
The tones drive me crazy!!
Die chinesische Sprache ist an sich eigentlich gar nicht so schwer - währen da nicht die Schriftzeichen und die Töne!
Nun gut, durch meinen japanischen Background habe ich keine Probleme mit den Schriftzeichen. Doch die Töne, die Töne.... machen mich verrückt!!
Es gibt insgesamt 5 Töne im Chinesischen:
[mā] langgezogener Ton auf einer Tonhöhe
[má] Stimme geht von unten nach oben; vergleichbar mit der Stimme am Ende einer Frage
[mă] man geht von oben nach unten und wieder hoch
[mà] Stimme geht energisch und kurz gehackt von oben nach unten
[må] unbetont
Und jeder dieser fünf Varianten hat eine andere Bedeutung
[mā] 媽 - bedeutet "Mutter"
[má] 麻 - bedeutet "empfindungslos, betäubt, betäuben, Hanf, beschäftigen, ärgern"
[mă] 馬 - ist das "Pferd"
[mà] 罵 - bedeutet "beschimpfen, verleumden, blamieren"
[må] 嗎 - ist ein Fragepartike
also wenn man z.B. jemanden nach seiner Telefonnummer fragt sagt man:
nǐ dė diàn huà hào mă?
你的 電 話 號 碼?
doch wählt man die falschen Töne und sagt z.B. folgendes:
nǐ dė diàn huà hăo må?
你的 電 話 好 嗎?
so bedeutet das "Wie geht es deinem Telefon?"
D.h. mit jedem neuen Zeichen, das man lernt, muss man gleichzeitig auch seinen richtigen Ton mitlernen. Das Problem ist, dass das Gehirn auch wieder vergisst.... zumindest meins vergisst ganz schön viel.
Wenn man die Töne jedoch nicht drauf hat, dann verstehen die Taiwanesen kein Wort! Ganz schön verflixt das Ganze.... Nur gut, dass ich kein Taiwanesisch lerne. Dort gibt es insgesamt 8 Töne! Da kann ich nur beherzt sagen: No thanks!!
Der Prinz auf dem Schimmel
- gutaussehend
- witzig
- größer als ich
- sportlich
- klug
etc. pp.
Nun, haben taiwanesische Frauen die selben Kriterien?!
So saß ich letztens mit meinen taiwanesischen Mitbewohnerinnen beim Essen und wir unterhielten uns über eine der Weihnachtsfeiern bei uns zu Hause. Irgendwie kamen wir auf einen der männlichen Sprachpartner von Jens zu sprechen.
Chih-Wei fragte: "war das der, der das leckere Essen mitgebracht hat?"
Ich: "ja genau der"
Jasmin: "der wäre ein toller Freund"
Chih-Wei: "ein perfekter Freund"
Ich: "hä?! wieso das denn?!"
Jasmin: "naja, er hat einen guten Geschmack"
Ich: "aber nur was das Essen anbelangt"
Chih-Wei: "das ist doch das Wichtigste"
Jasmin: "wenn er dich ausführt, kannst du sicher sein, dass er immer ein gutes Restaurant aussuchen wird"
Chih-Wei: "d.h. ein Leben lang gutes Essen"
Ich: (:: ̄ェ ̄) ~ ......
Da zeigt sich mal wieder wie wichtig (gutes) Essen für die Taiwanesen ist. [wenn man sich taiwanesische Reiseführer anguckt, findet man ausschließlich Informationen, wo es was zu essen gibt; Infos zu Sehenswürdigkeiten sucht man meist vergeblich] Zumindest habe ich in Deutschland noch nie gehört, dass jemand seinen Freund nach seinem kulinarischem Geschmack ausgewählt hätte. Aber wenn ich so drüber nachdenke - ein Leben lang gutes Essen ist schon nicht übel...
Ina Will's Wissen (I) - Kassenzettel
Auch in Taiwan bekommt man beim Einkaufen immer einen Kassenzettel.
Doch wenn man diesen Kassenzettel nicht annimmt, oder sogar wegschmeißt, gibt es mit Sicherheit schiefe Blicke - also schön mitnehmen und zu Hause sammeln!
Aber wozu?! Gibt es in Taiwan etwa ein Wettbewerb "Taiwan such das schönste Haushaltsbuch"?!
Nein. Des Rätsels Lösung befindet sich im oberen Teil des Kassenzettels:

Wie ihr in diesem Bild sehen könnt befindet sich in einem roten Kreis eine Zahlenfolge. Und einer dieser Zahlenkombinationen ist Millionen wert. Genau - ein Kassenzettel ist in Taiwan gleichzeitig ein Lotterieschein.
Also nachmal zum Mitschreiben: Man kauft sich für 10c einen Kaugummi. Bekommt dafür einen Kassenzettel, den man aufhebt. Alle zwei Monate wird eine Nummer gezogen, die man im Internet nachschlagen kann. Und mit Glück ist man Millionär! Wie toll ist das denn?!
Doch eine Sache ist doch sehr seltsam. Wer finanziert denn bitte das Ganze?! Wer stellt das Geld zur Verfügung?
Zunächst dachte ich, vielleicht geht pro Einkauf immer ein Cent in den großen Topf. Doch welcher Laden würde sich einem solchen System anschließen? Ein Cent pro Einkauf ist in der Summe riesig. Und da alle Geschäfte diese Kassenzettel ausgeben, hat es auch keinen Kunden-Anlock-Effekt. Also wer in aller Welt hat ein Interesse daran alle zwei Monate über eine Million zu verschenken?!
Es gibt nur einen, für den es einen Vorteil bringt:
Der Staat.
Und zwar stellt der Staat somit sicher, dass bei jedem Einkauf ein (registrierter) Kassenzettel gedruckt wird. Schließlich will der Käufer ja Geld gewinnen. Also wird er bald nur noch dort einkaufen, wo es solche Zettelchen gibt. Als Ergebnis unterbindet der Staat somit den Schwarzhandel. Alle paar Monate ein paar Millönchen und ruck zuck ist der Schwarzmarkt weg! Genial!
Was mich anbelangt - ich bin für dieses System einfach nicht geeignet. Innerhalb von zwei Monaten sammeln sich schließlich einige Hundert dieser Papierstreifen, die in meinem Falle nur chaotisch im Zimmer rumfliegen. Also nehme ich entweder die schiefen Blicke in Kauf oder verschenke einfach meine Zettel an Freunde. In vielen Läden kann man die Zettelchen auch spenden. Was meine Freunde anbelangt, hat noch keiner ne Million gewonnen, doch immerhin 4-6 Euro kommt schon vor. Also, für die Sammler unter euch: HAVE FUN & GET RICH!
Mittwoch, 21. Januar 2009
Das Monster und die Chunlian - 春聯
Was den sichtbaren Dreck anbelangt, wird dieser beim Neujahrsputz entfernt.
Doch was tun mit dem unsichtbaren Dreck? Wie hält man bitte all die bösen Geister von seinem Haus fern?
Und hört hört, es gibt eine Lösung. Laßt mich euch heute in die Geheimnisse der Geisterbekämpfung einführen... Dazu diese kurze Geschichte:
Es war einmal ein kleines Dorf am Meer. Im Meer schlummerte ein Monster, das jedes Jahr zur Silvesternacht erwachte. Hungrig von dem einjährigen Schlaf ging das Monster ins Dorf um einige Einwohner des Dorfes zu verspeisen. Um nicht auf der Speisekarte des Monsters zu landen flüchteten die Dorfbewohner bereits einige Tage vor Silvester in die nahe gelegenen Berge, denn sie wussten, das Monster würde ihnen nicht bis dahin folgen.
Eines Tages war es wieder soweit. Die Einwohner packten ihre Sache und machten sich auf den Weg in die Berge. Doch die Dorfälteste war bereits fast erblindet und ihre Beine waren schwach. So sagte sie zu ihren Söhnen "geht ohne mich voraus, ich komme langsam nach". Insgeheim hatte sie jedoch schon beschlossen, dass sie das Dorf nicht verlassen wird. So blieb sie ganz alleine zurück.
Es wurde langsam dunkel und die alte Frau wusste, das Monster würde bald kommen. Da klopfte es an ihrer Tür. "Wer ist da?" fragte sie. Und eine alte Männerstimme antwortete "Ich bin ein Reisender und suche eine Bleibe für die Nacht". Die alte Frau öffnete die Tür und fand einen alten Mann vor sich stehen. Sie fragte überrascht: "na, weißt du denn nicht, dass heute abend das Monster kommt?! Falls du die Nacht überleben willst, geh in die Berge - dort ist es sicher". Der alte Mann antwortete jedoch: "ach das Monster. Das fürchte ich nicht. Ich habe solch einen riesen Hunger, bitte mach mir doch was zu essen". Die Dorfälteste dachte sich nur: "nun gut, dem kann man auch nicht mehr helfen" und meinte "meine Söhne haben fast alles Essbare mitgenommen. Ich habe nur noch einige wenige Reste übrig." Der alte Mann meinte nur: "wunderbar! Dann machen wir aus den Resten gefüllte Teigtaschen - das wird uns beide satt machen. Doch bevor du anfängst zu kochen, bring mir bitte alle roten Sachen, die du hier im Haus hast, die werde ich draußen vor die Tür hängen". Die Dorfälteste wunderte sich zwar über den Sinn des ganzen Aufwandes, doch tat sie, was der alte Mann von ihr verlangte. Danach machte sie sich daran, die Reste kleinzuhacken. "Tack, tack, tack, tack, tack..." was für eine Arbeit!! Und das wo sie doch ihren letzten Abend auf Erden in Ruhe genießen wollte!! Draußen war es bereits stockdunkel und man hörte nur das Echo vom Hackmesser "tack, tack, tack, tack, tack...".
Da erwachte das Monster und kroch aus dem Meer empor. Hungrig im Dorf angekommen fand es jedoch niemanden, den es verspeisen konnte. Hungrig ging es von einem Haus zum anderen, doch alle Häuser waren leer. Da hörte es auf einmal ein ungewohntes Geräusch "tack, tack, tack, tack, tack....". "Hm?! Was ist das für ein Lärm?" dachte sich das Monster "müssten doch eigentlich alle schon längst schlafen?!" So ging es in die Richtung aus der das Geräusch kam. Und das Geräusch wurde immer lauter und lauter. Für das Monster, das die Todesstille des Meeres gewohnt war, war dieser Lärm kaum erträglich. Doch der Hunger trieb es weiter. Am Haus der Dorfältesten angekommen traf es jedoch der nächste Schock. Was war das für ein grelles Rot an der Haustür?! Für das Monster stach die Farbe derart hervor, dass ihm die Augen schmerzten. "Was ist das für ein verflixtes Dorf?! Erst machen sie mich taub und dann auch noch blind!! Ich hab genug! Ich geh wieder nach Hause!". So ging das Monster zurück ins Meer, ohne einen Happen gegessen zu haben. Derweil saßen die Dorfälteste und der alte Mann am Feuer und ließen sich die Teigtaschen schmecken. Am nächsten Morgen wurde die alte Frau von ihren zurückgekehrten und äußerst erstauten Söhnen geweckt "wie kommt es, dass du noch lebst?! Wie konntest du dem Monster entkommen?!". Der alte Mann sagte nur "das Monster hasst laute Geräusche und kann auch keine rote Farbe ausstehen, so einfach ist das ganze".
Seit diesem Tag hängt man vor Neujahr rote Papierstreifen mit Neujahrswünschen (in schwarzer oder goldener Schrift) an die Haustür (sogenannte Chunlian) und zündet an Silvester rote Feuerkracher an. Außerdem ist es Brauch, am Silvesterabend gefüllte Teigtaschen zu essen. So einfach ist das! ;-)

ich beim schreiben der Chunlian; mein erster Versuch mit dem Pinsel zu schreiben. Gar nicht so einfach...

Feuerkracher - zündet man unten an - und ab geht die Post!!
Hier meine Kreationen: "Frühling" kopfüber geklebt (Grund dafür ist ein chinesisches Wortspiel) (oben); "möge alles reibungslos verlaufen" (unten)
unsere Haustür
Sonntag, 18. Januar 2009
Noch so ein Beitrag zum Erlernen einer Sprache
Hab euch ja Anfang November erzählt, dass ich den Language Proficiency Test versucht hab. Was ich nicht erzählt hatte - den Versuch hab ich nicht bestanden....*heul*
Von insgesamt 4 Stufen habe ich die zweit unterste Stufe versucht. Der Test besteht aus drei Teilen. 1. Teil - Hörverstehen, 2. Teil - Grammatik, 3. Teil - Leseverständnis. Den 3. Teil hab ich mit recht guter Note bestanden, 1 und 2 nicht. Nun gut - halb so schlimm. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ja grad mal 3 Monate Chinesisch gelernt und all das was im Test dran kam, hatte ich schlichtweg noch nicht gelernt.
Nun gestern hab ich dieselbe Stufe nochmals versucht. Hmmmm... sehr viel besser als beim ersten Mal. V.a. beim Hörverständnis hatte ich das Gefühl, dass die Sprechstimme viel langsamer spricht als beim ersten Mal. Ein gutes Zeichen, dass mein Hörverständnis nun sehr viel besser ist. Auch der Grammatikteil war sehr viel verständlicher.
DOCH - nach nun insgesamt fast 5 Monaten Chinesischkurs in Taiwan bin ich immer noch nicht so weit, dass ich alles 100%ig gewusst hätte. *seufz!* Eine Sprache zu lernen ist wirklich gar nicht so einfach. Da denkt man: "wow! Hab schon so viel dazugelernt!" und eigentlich ist man immernoch ganz am Anfang. Meine Lehererin hat mir auch gesagt, dass wenn man in Taiwan Chinesisch lernt, die ersten 1 1/2 bis 2 Jahre relativ einfach sind. Der schwierige Teil fängt erst danach an, wenn man sich mit der geschriebenen Sprache auseinandersetzt (d.h. klassische Literatur, Zeitung, etc.).
Da frag ich mich wirklich, ob mein Chinesisch wohl jemals so gut werden wird, wie mein Englisch?! Wer weiß *schulterzuck*. Bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als einfach stur weiterzulernen....
Endlich Ferien - juhuuu!!!!....?!?!....*#+%$!
Ich sage nur: Chorproben....
Nächste Woche Freitag haben wir Chorkonzert. Dafür muss geprobt werden. Und zwar eine ganze Woche lang - fast jeden Tag mindestens acht Stunden. Letzten Freitag abend bereits vier Stunden. Heute, morgen, übermorgen und am Donnerstag jeweils von 10 bis 17 Uhr, natürlich open end. Es wird getanzt, gesungen, gesungen und getanzt. Und dabei immer schön lächeln~
Überhaupt hat sich der "super-tolle" Chor recht bald als eine Art "Military-Club" entpuppt. Jede Woche muss man zum Vorsingen antanzen. Dabei muss jeder a-capella (d.h. ohne Klavierbegleitung) 2-3 Stücke auswendig vortragen. Insgesamt haben wir an die 30 Stücke. Englisch, Chinesisch, Taiwanesisch, Hakka (eine taiwanesische Ureinwohnersprache), Japanisch (wobei ein Dialekt, bei dem ich 0,00% verstehe) - alles vorhanden. Dann natürlich zweimal die Woche jeweils 4 Stunden Probe. Und während dieser zusätzlichen Probewoche ist Pünktlichkeit von äußerster Wichtigkeit. Für jede Minute, die man zu spät kommt, zahlt man 5NT$ (ca. 10 c) und für jede Stunde, die man zu spät kommt 500 NT$.
Und dann ist da noch die Chorleiterin. Eine hervorragende Musikerin, die wirklich ihr Fach versteht. Ich bewundere ihren Interpretationsstil und v.a. auch wie sie dirigiert. Man muss sie nur ansehen und es singt sich von selbst. Wirklich ein tolles Gefühl! Doch leider leider ist sie aus meiner Sicht menschlich eine reine Katastrophe. In ihrer energiegeladenen Art prasselt es meistens die ganze Probe hindurch an Kritik - und das nicht gerade auf einem professionellen Level. Die meisten Chormitglieder empfinden gegenüber ihr einfach nur - FURCHT - . Wie in die Enge getriebene Karnickel sitzen sie dann zitternd vor ihr da, während sie wieder mal einen ihrer Wutausbrüche hat. Ab und an gibts auch paar Tränen.
Donnerstag, 8. Januar 2009
Zimtapfel - Shijia 釋迦

Der größte Fehler wäre es, die Frucht gleich nach dem Kauf zu verspeisen. Denn Zimtäpfel werden immer noch im harten Zustand verkauft. In diesem Stadium (siehe Bild) sind sie ungenießbar.

Man muss sich also meistens 2 bis 3 Tage gedulden, bis die Frucht ganz weich wird und sich schon fast von selbst öffnet. Dann kann man mit den Fingern die Frucht in kleine Stücke zerteilen oder einfach mit einem Löffel das Fruchtfleisch herauslöffeln.

Die etwa 1 bis 2 cm großen schwarzen Kerne sollte man ausspucken, denn sie sollen giftig sein. Doch das Fruchtfleisch ist saftig und süß, fast wie eine Mango, jedoch ohne das faserige Gefühl. Sehr lecker!! In Deutschland habe ich die Frucht noch nie gesehen, doch wenn sich euch mal die Gelegenheit anbieten sollte - auf jeden Fall probieren!!
Tapioka-Milktea
Jeder trinkt es - jeder liebt es!

Dieses äußerst dubiose Getränk ist ein Phänomen. Schon das äußere Erscheinungsbild ist nicht sehr attraktiv. In einer braun-milchigen Flüssigkeit sind viele kleine schwarze Kügelchen versenkt, die, wenn man sie aus der Flüssigkeit herausnimmt, eine äußerst starke Ähnlichkeit mit Froscheiern aufweisen. Auch die glibberige Konsistenz erinnert an das, was man sonst nur in entlegenen Teichen vorfindet. Man versicherte mir jedoch, dass Tapioka eine Pflanzenart sei.
Mit Hilfe eines dicken Strohhalmes saugt man dann mit jedem Schluck einige dieser "Tapiokas" mit der Flüssigkeit auf und genießt daraufhin das herrlich glibberige und gummibärchenartige Gefühl im Mund.
Trotz dieser äußerst ekligen, aber dennoch wahrheitsgetreuen Beschreibung, steht dieser Michtee fast bei jedem Ausländer auf der Top 10 - Liste der Dinge, die man bei der Ausreise aus Taiwan mit nach Hause nehmen möchte.
Wo bekommt man also dieses fabelhafte Getränk? Ganz einfach! In jeder Straße hier in Taipei befindet sich MINDESTENS ein Getränkeladen, welches vom äußeren Erscheinungsbild einem Fastfood-Restaurant ähnelt.


Dort kann man sich unter zig verschiedenen Tee-, Milchtee-, Fruchtsaft-, und anderen Getränkearten eben auch für Zhenzhu-Naicha entscheiden. Heiß oder kalt? Falls kalt - mit oder ohne Eiswürfel? Tüte oder keine Tüte? Eben der Fragenkatalog, den man auch von unseren Fastfood-Restaurants gewohnt ist. Ungewöhnlich ist aber, dass man in jedem Laden auch wählen kann, wieviel Zucker man in sein Getränk haben möchte. Ganze, 3/4tel, halbe oder 1/4tel Portion? Wie mans eben mag. Was total toll ist, ist dass die Plastikbecher mit einer dünnen Plastikfolie zugeschweißt werden. So kann man das Getränk in allen Lagen transportieren, ohne befürchten zu müssen, dass etwas ausläuft - zumindest, bis man anfängt zu trinken. Sehr praktisch!!
Hm... während ich so schreibe, hab ich richtig Lust drauf bekommen. Bin dann mal weg, zum nächsten Teeladen... ciao!!

