Donnerstag, 25. Dezember 2008

Noch ein Beitrag zum Erlernen einer Sprache

Zu Weihnachten ein Beitrag meinerseits, der einem klarmacht, wie gut es mir doch wirklich geht.

Gestern fuhr ich seit langem mal wieder mit einem Taxi. Kaum bin ich eingestiegen, fing der Taxifahrer auch schon an in einem exzellentem Englisch mit mir zu plaudern. Ich war überrascht. Der Fahrer war Ende fünfzig. Und in Taiwan gibt es nur sehr wenige in diesem Alter, die ein solch gutes Englisch beherrschen. Unter den Taxifahrern kann ich wohl ohne schlechten Gewissens behaupten, dass ich einer Rarität begegnet bin.

Nun fragte ich ihn während unserer ca. 10 minütigen Fahrt, wo er so gut Englisch gelernt hat. Er meinte, dass er in seiner Jugend nie die höhere Schule besuchen konnte, da seine Eltern furchtbar arm waren. Außerdem befand sich Taiwan zu seiner Teenager-Zeit im Krieg mit China. Somit blieb für ihn der Wunsch, in einer Schule eine Ausbildung zu genießen unerfüllt. Ohne Schulausbildung blieb für ihn schließlich auch nur der Beruf des Taxifahrers. Und mit dem Gehalt eines Taxifahrers kann man sich auch keine Abendschule leisten.

Lernen wollte er jedoch trotzdem. Also hat er sich Englisch-Kassetten besorgt und diese während den Wartezeiten immer und immer wieder im Taxi gehört. Wenn mal ausländische Kundschaft eingestiegen ist, hat er sich mit diesen auf Englisch unterhalten. So hat er sich Schritt für Schritt die Englische Sprache angeeignet.

Ich war echt geplättet. Ein Mann, der grade mal die Grundschule besucht hat, noch nie im Ausland war, erzählte mir innerhalb von paar Minuten in einem fließend reinem Englisch with a slightly British-accent seine Lebensgeschichte. Was wäre wohl aus ihm geworden, wenn er unter anderem Umständen, zu einer anderen Zeit gelebt hätte?!

Tagtäglich sehe ich Studenten, die von der Taiwanesischen Regierung ein Stipendium hinterhergeschmissen bekommen, das wahrscheinlich doppelt so viel ist, wie das was der Mann in einem Monat verdient, und denen nichts anderes einfällt als das Geld in irgendwelchen Bars und Diskotheken zu verprasseln und sich ständig darüber beklagen, wie furchtbar das Leben in Taiwan doch ist. Ich meine, es ist deren Leben. It's non of my business. Ich weiß. Und das Leben ist nicht immer gerecht. Ich weiß.

Doch dieses Ereignis ist für mich ein Ansporn noch mehr zu lernen und für das was ich habe sehr dankbar zu sein. Alles was ich besitze, die Erfahrungen, die ich hier machen darf, die Chancen, die mir tagtäglich gegeben werden, ja, mein ganzes Leben - ist in keinster Weise selbstverständlich.


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