Freitag, 14. November 2008

Blamier' dich! - oder geh gleich heim...

Nächste Woche sind bereits Abschlusstests!! D.h. nächste Woche endet bereits mein erstes Quartal. Wahnsinn, wie schnell das geht! Bin jetzt schon fast ganze drei Monate hier. Wird wirklich mal Zeit, einen kleinen Zwischenbericht abzuliefern.

In diesen drei Monaten haben sich meine Chinesischkenntnisse wirklich rapide verbessert! Vor drei Monaten konnte ich kaum was verstehen. Wenn mich jemand gefragt hat, woher ich komme, musste ich dreimal nachfragen, was er gerade gesagt hat. Inzwischen kann ich mich fast schon fließend ausdrücken - zumindest wenn es um Themen geht, deren Vokabeln ich beherrsche. Nun kenne ich auch schon genug Vokabeln, um zumindest auf Umwegen das zu sagen, was ich sagen möchte. Wirklich ein befreiendes Gefühl. Hier kann man wirklich erleben, wie frustrierend es ist, sich nicht ausdrücken zu können! Wie wichtig eine Sprache für den Menschen ist.

Jaja, Frustration und Demütigungen - so kann ich wohl die letzten drei Monate zusammenfassen. Wie oft habe ich erlebt, dass ich einfachste Vokabeln auf einmal vergessen hab! Oder dass ich zwar im Kopf die richtigen Vokabeln zurechtgelegt hatte, aber was ganz anderes aus meinem Mund ertönte. Wie oft musste ich fragende und verwirrte Blicke meines Gegenübers entschlüsseln! Und wie oft dachte ich nur: das krieg ich nie hin!

Man lernt hier tagtäglich die Grenzen seines Könnes kennen. Selbstbewusstsein und Stolz sind schnell passé. Die Frage ist nur, was an deren Stelle kommt. Für manche ist es Frust und Selbstzweifel, für andere Demut und Dankbarkeit. Am Anfang plagten mich auch enorme Selbstzweifel. Wenn man der Person an der Kasse wieder mal "Bitte noch eine mit Fleisch gefüllte Teigtasche!" anstatt "Bitte noch eine Tüte!" ins Gesicht geschrien hat (wenn man eine Sprache noch nicht so gut beherrst, tendiert man dazu lauter zu reden), dann kann man doch nur geknickt heimgehen - den hilflosen Blick des Kassierers ins Hirn gebrannt - und sich im Bett verkriechen, oder?

Doch wenn man sich klar macht, dass es normal ist, dass man Fehler macht, dass es normal ist, dass man sich immer und immer wieder "blamiert", das es ANDERS GAR NICHT SEIN KANN, ja dann verwandeln sich Selbstzweifel und Frust automatisch in eine enorme Erleichterung. Man lernt hier wirklich über sich selbst zu lachen. Sich über seine Fehler sogar zu freuen, weil man dadurch wieder was Neues dazugelernt hat. Man verliert nach und nach unnötige Hemmungen und beginnt die Leichtigkeit des Seins zu genießen. Man probiert aus und lernt dazu. Und man ist dankbar für jeden noch so kleinen Fortschritt und für all die Menschen, die einem weiterhelfen. Man lernt, wie sehr Menschen einander brauchen und wie unnütz doch Selbstbezogenheit und Arroganz sind. Hier gibt es ein Sprichwort: "Aus 1000 Schritten selbst gegangen lernt man mehr, als aus 10.000 Büchern selbst gelesen". Wie wahr, wie wahr....

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