Sonntag, 19. Oktober 2008

Crazy, crazy, crazy!!

Vor einiger Zeit hat mich ein japanischer Bekannter zu seinem "Japaner-Club" eingeladen. Jede Woche Samstag treffen sich eine handvoll Taiwanesen in einem Café um sich auf Japanisch zu unterhalten. Also, habe ich letzten Samstag auch mal vorbeigeschaut. Doch diese nichtsahnende Naivität meinerseits sollte sich bald als ein einprägsames Erlebnis entpuppen.

Schon der Erste, der sich mir vorgestellt hatte, war ein kleiner Klops, mit Sonnenbrille (die er seltsamer Weise nie abnahm). Obwohl erst 25 Jahre alt, sah er aus wie 45. Sein Job: eine Festanstellung als Übersetzer von japanischen Pornofilmen, wie er mir stolz offenbarte.

Nachdem mit der Klops etwa eine Dreiviertelstunde über Gott und die Welt zugetextet hatte, kam ein kleiner schmächtiger "Mann", der aussah wie 14, aber eigentlich schon 29 ist dazu. Abgesehen davon, dass er wirklich sehr zierlich gebaut war (ich neben ihm sah aus, als wäre ich zweimal so breit), sah er auf den ersten Blick eigentlich normal aus. Doch nach einiger Zeit entdeckte ich, dass er super lange Fingernägel hatte, die er in einem mintgrün - weißem Schachbrettmuster und goldenen Glitzersteinchen verziert hatte. Ist das für taiwanesische Männer normal?! Ich denke nicht....

Dann kamen zwei Mädels. Die eine eine wirklich hübsche, die sich im Gespräch aber als "super- Luxus-Liebhaberin" entpuppte. Zitat: "Also, Hotels müssen schon MINDESTENS 5 Sterne haben. Jaja, 5 Sterne MINDESTENS"- Zitat Ende.

Das andere Mädchen war ein Musterbeispiel für ein japanisches "Girl" (im Japanischen "Gyaru" ausgesprochen). Von oben bis unten behangen mit allerlei unechten Chanel-Accessoires, mini Shortpants, Blümchen im Haar, viel Make-up und aufgeklebte 3D Fingermaniküre. Alles in einer rosa-rot Kombi. Für die, die nicht wissen, was 3D Fingernägel sind, s. Foto. Vom IQ her muss ich leider sagen, entsprach sie etwa einem 5 jährigen Mädchen - wobei ich vermute, dass das zu ihrem Konzept gehört - sie sich also extra als "kleines Dummerchen" insziniert".



















Somit war die Gruppe komplett und man unterhielt sich die meiste Zeit über die neuesten Mangas (japanische Comics) und Animes (japanische Cartoons), wo ich natürlich nicht mitreden konnte, denn ich bin überhaupt nicht auf dem neuesten Stand. Im Großen und Ganzen fühlte ich mich wirklich fehl am Platz. Überhaupt fühlte ich mich nach einiger Zeit, als wäre ich selbst in irgendeinem schrägen Comic gelandet. Wirklich schade, dass ich nicht gut zeichnen kann. Ich könnte hier Bücher füllen!!

Dasselbe Phänomen habe ich übrigens schon mal erlebt. Und zwar in Bochum, als ich meinen Intensivkurs Chinesisch gemacht hab. Damals fand parallel gerade auch der Intensivkurs Japanisch statt. Und die Teilnehmer dort waren in etwa auch alle "Otaku"s. Otakus sind Leute, die sich den ganzen Tag mit Comics und Animes beschäftigen und sich eine eigene Welt schaffen, indem sie u.a. sich so anziehen und schminken wie ihre Comichelden und somit im Grunde den Kontakt zur eigentlichen Realität verlieren. Tja, China schnappt sich in langer Sicht wohl alle klugen und reichen Leute und Japan kriegt nur die "Crazy people" ab. Wie lang das wohl noch gut geht?!

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