verlief total anders als ich mir je erträumt hätte!
Was für ein Chor! Der Wahnsinn! Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, denn ich bin immer noch total geplättet.
Zunächst einemal: alles total freundliche und liebenswerte Chormitglieder ;-) Ich werde mich hier sehr wohl fühlen! Und zum Chinesischlernen ist es glaube ich ein ein idealer Ort, denn die Leute sind nicht hier um ihr Englisch zu verbessern. Daher reden sie vorwiegend auch Chinesisch mit mir.
Als ich gestern im Chorsaal ankam bekam ich erstmal ein Plastikschild mit meinem Namen und Stimmlage um den Hals gehängt. Für alle Mitglieder hatten die extra solche Schilder machen lassen! Dann wurden mir zwei Notenhefte in die Hand gedrückt. Schöne gedruckte Noten, fest gebunden und im Lackumschlag. "Nanu?" dachte ich mir, "gibts die Noten etwa im Buchladen zu kaufen?!" Nach genauerem Hinsehen, die große Überraschung: das waren die Stücke, die die Chorleiterin für das Wintersemester ausgewählt hatte. Extra in Druck gebracht nur für diesen Chor - nur für dieses Semester.
Dann fing die Probe an. Zunächst bildeten wir unter Anleitung eines (wahrscheinlich Musik-) Studenten eine lange Schlange und man musste den Vordermann massieren. Hmmm... nicht schlecht, nicht schlecht ;-) Dann fing das Aufwärmen an. Haha! Und was für Aufwärmübungen! Nicht normale Tonleitern und gebrochene Akkorde rauf und runter. Nö. Atonale, wirklich nicht einfache, auch rythmisch komplizierte Figuren. Aber für die Leute dort war das offensichtlich überhaupt kein Problem. Nach etwa 20 Minuten kam dann endlich die Chorleiterin und die Korepetitorin (Klavierbegleiterin).
Was für eine Frau!! Klein, zierlich. Aber sehr markant und willensstark im Gesicht. Man sieht gleich, Diese Frau weiß was sie will! Sehr laute und kraftvolle Stimme (sehr angenehm für mich, denn so verstehe wirklich viel von dem was sie sagt). Und eine Energie ~ wie eine Dampflock! Wenn der mal was nicht gefällt, dann möchte ich nicht diejenige sein, die sie anfaucht... was anscheinend öfters vorkommen soll.
Das hat mir Jazz erzählt. Die einzige weitere Ausländerin im Chor. Amerikanerin, 23 Jahre alt. Macht hier ihren Master in Altchinesisch. Es ist jetzt schon ihr drittes Jahr in China und im Chor, d.h. ihr Chinesisch ist superb! Die anderen Mitglieder haben mir schon zugeflüstert, dass Jazz's Chinesisch besser ist, als Ihres. Das liegt wohl daran, dass sich Jazz gut im Altchinesisch ist. Auf jeden Fall haben sie mich natürlich gleich neben Jazz gesetzt - was auch gut war, so konnte sie mir immer wieder die Übersetzung von dem, was die Chorleiterin in den Raum geschrien hat ins Ohr flüstern. Wirklich super nettes Mädel.
Übrigens hatte ich Glück, dass ich überhaupt einen Sitzplatz bekommen hab. Wir saßen auf billigen Plastikhockern. Doch gab es nicht genügend. So mussten die, die Pech hatten, 3 Stunden im Stehen singen.
Nun zur eigentlichen Probe. Wohlgemerkt, das war unsere aller erste Probe. Die Chorleitern kündigte das Stück an, welches "geprobt" werden sollte. (Auszüge aus Johann Strauß's Fledermaus - für die, die's interessiert) Dann gab sie den Takt an, 1 - 2 - 3 - UND LOS GINGS! Als das Klavier einsetzte dachte ich, ich fall vom Hocker! Gleich Originaltempo?!?!?! So war's. Im Originaltempo alle Stimmen einmal von vorne bis hinten durch. Ich muss es nochmal dazusagen: alle haben vom Blatt gesungen! Und das wirklich nahezu perfekt. In Deutschland hätte ich gesagt, okay! wir können morgen auftreten! Was für ein Niveau!! Wahnsinn!! Ich war wirklich schon in einigen Chören, aber nicht mal der Kammerchor der Musikhochschule kann da mithalten.
Nach diesem ersten Durchgang pickte die Chorleiterin dann einige schwere Stellen heraus. Diese wurden dann 2 - 3 Mal intensiver geprobt und das war's dann auch schon. Nächstes Stück bitte ~!! So haben wir in den 3 Stunden Probe 4 neue Stücke in einem Affentempo nahezu aufführreif eingeübt. Darunter auch schwere Stücke wie "Variations on I got rhythm" von George Gershwin.
*puh!* ganz schön anstrengend! Aber so macht Chorsingen wirklich Spaß!! Kein ewiges Warten, wenn der Tenor (Alt, Bass) eine Stelle nicht kann und immer und immer wieder diese Stelle wiederholt wird. Keine Reklamationen, dass meine Stimme zu laut sei, denn hier singen alle laut. ;-)
Wenn ihr aber dachtet, das sei schon alles - tststs - nein nein! Von Jazz habe ich gestern erfahren, dass man - wenn man auch bei Aufführungen mitsingen möchte - alle zwei Wochen außerhalb der Probezeiten zum Vorsingen antanzen muss. D.h. die Gruppenleiter jeder Stimmlage prüfen einen alle zwei Wochen, ob man seinen Part auch perfekt beherrscht. Außerdem muss man alle zwei Wochen zum Vocal-Coach, bei dem man 60 min. Privatunterricht bekommt. Was für ein Aufwand.... Überhaupt ist alles perfekt organisiert. So ist immer ein Student für das Wohl der Chorleiterin zuständig (Tee bringen, Ventilator für die Chorleiterin regulieren etc.), ein Student war als Umblätterer für die Pianistin zuständig, einige Studenten kochten während der Probe literweise Tee für die Chormitglieder, etc. etc. In Deutschland unvorstellbar! Für die Taiwanesen anscheinend die normalste Sache der Welt. ;-)
So bin ich nun wieder um eine wirklich horizonterweiternde Erfahrung reicher!!
Was für ein Chor! Der Wahnsinn! Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, denn ich bin immer noch total geplättet.
Zunächst einemal: alles total freundliche und liebenswerte Chormitglieder ;-) Ich werde mich hier sehr wohl fühlen! Und zum Chinesischlernen ist es glaube ich ein ein idealer Ort, denn die Leute sind nicht hier um ihr Englisch zu verbessern. Daher reden sie vorwiegend auch Chinesisch mit mir.
Als ich gestern im Chorsaal ankam bekam ich erstmal ein Plastikschild mit meinem Namen und Stimmlage um den Hals gehängt. Für alle Mitglieder hatten die extra solche Schilder machen lassen! Dann wurden mir zwei Notenhefte in die Hand gedrückt. Schöne gedruckte Noten, fest gebunden und im Lackumschlag. "Nanu?" dachte ich mir, "gibts die Noten etwa im Buchladen zu kaufen?!" Nach genauerem Hinsehen, die große Überraschung: das waren die Stücke, die die Chorleiterin für das Wintersemester ausgewählt hatte. Extra in Druck gebracht nur für diesen Chor - nur für dieses Semester.
Dann fing die Probe an. Zunächst bildeten wir unter Anleitung eines (wahrscheinlich Musik-) Studenten eine lange Schlange und man musste den Vordermann massieren. Hmmm... nicht schlecht, nicht schlecht ;-) Dann fing das Aufwärmen an. Haha! Und was für Aufwärmübungen! Nicht normale Tonleitern und gebrochene Akkorde rauf und runter. Nö. Atonale, wirklich nicht einfache, auch rythmisch komplizierte Figuren. Aber für die Leute dort war das offensichtlich überhaupt kein Problem. Nach etwa 20 Minuten kam dann endlich die Chorleiterin und die Korepetitorin (Klavierbegleiterin).
Was für eine Frau!! Klein, zierlich. Aber sehr markant und willensstark im Gesicht. Man sieht gleich, Diese Frau weiß was sie will! Sehr laute und kraftvolle Stimme (sehr angenehm für mich, denn so verstehe wirklich viel von dem was sie sagt). Und eine Energie ~ wie eine Dampflock! Wenn der mal was nicht gefällt, dann möchte ich nicht diejenige sein, die sie anfaucht... was anscheinend öfters vorkommen soll.
Das hat mir Jazz erzählt. Die einzige weitere Ausländerin im Chor. Amerikanerin, 23 Jahre alt. Macht hier ihren Master in Altchinesisch. Es ist jetzt schon ihr drittes Jahr in China und im Chor, d.h. ihr Chinesisch ist superb! Die anderen Mitglieder haben mir schon zugeflüstert, dass Jazz's Chinesisch besser ist, als Ihres. Das liegt wohl daran, dass sich Jazz gut im Altchinesisch ist. Auf jeden Fall haben sie mich natürlich gleich neben Jazz gesetzt - was auch gut war, so konnte sie mir immer wieder die Übersetzung von dem, was die Chorleiterin in den Raum geschrien hat ins Ohr flüstern. Wirklich super nettes Mädel.
Übrigens hatte ich Glück, dass ich überhaupt einen Sitzplatz bekommen hab. Wir saßen auf billigen Plastikhockern. Doch gab es nicht genügend. So mussten die, die Pech hatten, 3 Stunden im Stehen singen.
Nun zur eigentlichen Probe. Wohlgemerkt, das war unsere aller erste Probe. Die Chorleitern kündigte das Stück an, welches "geprobt" werden sollte. (Auszüge aus Johann Strauß's Fledermaus - für die, die's interessiert) Dann gab sie den Takt an, 1 - 2 - 3 - UND LOS GINGS! Als das Klavier einsetzte dachte ich, ich fall vom Hocker! Gleich Originaltempo?!?!?! So war's. Im Originaltempo alle Stimmen einmal von vorne bis hinten durch. Ich muss es nochmal dazusagen: alle haben vom Blatt gesungen! Und das wirklich nahezu perfekt. In Deutschland hätte ich gesagt, okay! wir können morgen auftreten! Was für ein Niveau!! Wahnsinn!! Ich war wirklich schon in einigen Chören, aber nicht mal der Kammerchor der Musikhochschule kann da mithalten.
Nach diesem ersten Durchgang pickte die Chorleiterin dann einige schwere Stellen heraus. Diese wurden dann 2 - 3 Mal intensiver geprobt und das war's dann auch schon. Nächstes Stück bitte ~!! So haben wir in den 3 Stunden Probe 4 neue Stücke in einem Affentempo nahezu aufführreif eingeübt. Darunter auch schwere Stücke wie "Variations on I got rhythm" von George Gershwin.
*puh!* ganz schön anstrengend! Aber so macht Chorsingen wirklich Spaß!! Kein ewiges Warten, wenn der Tenor (Alt, Bass) eine Stelle nicht kann und immer und immer wieder diese Stelle wiederholt wird. Keine Reklamationen, dass meine Stimme zu laut sei, denn hier singen alle laut. ;-)
Wenn ihr aber dachtet, das sei schon alles - tststs - nein nein! Von Jazz habe ich gestern erfahren, dass man - wenn man auch bei Aufführungen mitsingen möchte - alle zwei Wochen außerhalb der Probezeiten zum Vorsingen antanzen muss. D.h. die Gruppenleiter jeder Stimmlage prüfen einen alle zwei Wochen, ob man seinen Part auch perfekt beherrscht. Außerdem muss man alle zwei Wochen zum Vocal-Coach, bei dem man 60 min. Privatunterricht bekommt. Was für ein Aufwand.... Überhaupt ist alles perfekt organisiert. So ist immer ein Student für das Wohl der Chorleiterin zuständig (Tee bringen, Ventilator für die Chorleiterin regulieren etc.), ein Student war als Umblätterer für die Pianistin zuständig, einige Studenten kochten während der Probe literweise Tee für die Chormitglieder, etc. etc. In Deutschland unvorstellbar! Für die Taiwanesen anscheinend die normalste Sache der Welt. ;-)
So bin ich nun wieder um eine wirklich horizonterweiternde Erfahrung reicher!!

3 Kommentare:
Das ist ja der Wahnsinn! Du singst ja schon total super, aber der Chor bringt dich bestimmt noch weiter. Werden die Stücke eigentlich in Originalsprache gesungen, oder etwa auf chinesisch?
Hi Marion!
Also die Fledermaus-Lieder sind auf Englisch. Aber wir singen auch chinesische Lieder und Lieder auf Taiwanesisch und Jaüanisch. Also ein bunter Mix ;-)
"Es ist jetzt schon ihr drittes Jahr in China" .. lass das nicht die Taiwanesen lesen hehe :).
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