
Schade, dass gerade DIESES Wochenende der Taifun gekommen ist. Denn heute wärde eigentlich das traditionelle Mondfest - das bedeutendste Fest überhaupt in Taiwan.
Beim Mondfest geht es grundsätzlich darum, dem Mond zu huldigen. Hier in Taiwan ist es Tradition auf der Straße zu grillen, viel Alkohol zu trinken und dabei den Mond anzugucken. Dieses Jahr hat die taiwanesische Regierung die Bevölkerung aufgerufen nicht auf der Straße zu grillen, zur Verhinderung der Umweltverschmutzung, doch wegen dem Taifun werden die meisten Leute wohl gar nicht grillen... War aber grade im strömenden Regen Wäsche waschen (muss immer in das nahegelegene Waschsalon) und einige hartnäckige Mondfestliebhaber warem fleißig am Grillen ;-) .
Weiterhin gibt es traditionellen Mondkuchen. Das sind etwa handflächengroße runde oder viereckige Kuchen mit dünner Teigkruste und innendrin einer Paste aus roten Bohnen und einem Ei-Kern. Schmeckt gräuslich! Trotzdem sind sie in den Läden regelmäßig schon paar Tage vor dem Fest ausverkauft, weil es Brauch ist, sie an Familie und Freunde zu verschenken. Doch angeblich isst die keiner hier. Viel zu süß, viel zu schwer, viel zu viele Kalorien und angeblich verursachen sie heftige Verstopfungen. Total verrückt. Das keiner auf die Idee kommt, gut schmeckende Mondkuchen z

u erfinden?!?!
Es gibt aber auch eine Geschichte zum Mondkuchen:
Während der Yuan Dynastie (1280-1368) wurde China von den Mongolen beherrscht. Die Führer der früheren Sung Dynastie (960 - 1280) waren mit der mongolischen Herrschaft sehr unzufrieden und planten eine Revolution. Damit diese Revolution aber nicht aufflog, ließen sie für das nächste Mondfest kleine Kuchen backen. Im Inneren jedes Kuchens befand sich einen Zettel mit dem geheimen Schlachtplan. Somit konnte die mongloische Herrschaft erfolgreich abgesetzt werden. Darauf folgte die sogenannte Ming Dynastie (1368-1644). Um an dieses Ereignis zu erinnern, werden auch heute noch Mondkuchen gegessen - naja verkauft. Das war der kleine Geschichtsunterricht am Rande ;-)

Ein weiterer Brauch während des Mondfestes ist es, die Schale von Pomelo-Früchten wie ne Mütze auf dem Kopf zu tragen. Keine Ahnung, was das für eine Bedeutung hat. Sieht aber witzig aus *gg*.

Außerdem gibt es viele Licht- und Laternen- Paraden mit traditionellen Drachentänzen. Echt schade, dass ich all das verpasse.... Blöder Taifun ;-P


Warum gibt es überhaupt das Mondfest? Dazu diese Legenden:
1. Das Kaninchen aus Jade(das Mondfest gibt es in ganz Asien. So auch in Japan. Japaner und Chinesen glaubten früher, dass Kaninchen auf dem Mond leben. Diese Legende erklärt warum.)

Es waren einmal drei weise Feen, die sich in einen alten armen Bettler verwandelten und einen Fuchs, einen Affen und ein Kaninchen um etwas zu Essen baten. Sowohl der Fuchs, als auch der Affe hatten was zu Essen dabei und gaben es dem Bettler. Doch das Kaninchen hatte nichts. So bot er sein eigenes Fleisch und Blut zum Essen an und warf sich selbst in einen Kessel voll kochendem Wasser. Die drei Feen waren von dieser Geste derart gerührt, dass sie der Seele des Kaninchens erlaubten im Mondpalast zu leben. So wurde aus dem normalen Kaninchen ein Kaninchen aus Jade. (Japaner denken übrigens, dass das Kaninchen auf dem Mond Reiskuchen bäckt).
2. Die Göttin Chang-Er

(Bei dieser Story gibt es so viele Variationen, dass ich gar nicht weiß, welche ich euch erzählen soll.... also wähle ich die, die uns am Freitag meine Lehrerin erzählt hat.)
Etwa 2170 v. Chr. gab es 10 Sonnen auf der Erde. Diese 10 Sonnen waren so heiß, dass alles Getreide verdorrte, alles Wasser verdampfte und alle Tiere verdursteten. Um die Erde zu retten kam ein junger attraktiver und gut gebauter Mann namens Houyi, der mit Pfeil und Bogen 9 der Sonnen abschoss. Die Chinesen glaubten damals, dass die Sonne eine brennende Krähe sei. So fielen 9 Krähen vom Himmel und die Erde war gerettet. Houyi wurde zum Held.
Die Götter waren begeistert von Houyi's Tat und gaben ihm zum Dank einen Trunk durch den Houyi unsterblich werden würde. Die Erdbewohner krönten Houyi zu ihrem König.
Tage und Jahre vergingen und Houyi wurde immer selbstsüchtiger und grausamer. Die Bevölkerung litt stark unter seiner Tyrannei. Houyi's wunderschöne Frau Chang-Er sah das Elend ihres Volkes und sagte: "Es ist nicht verantwortbar, dass Houyi diesen Trunk nimmt und unsterblich wird. Sonst nimmt dieses Grauen nie ein Ende." So schlich sie eines Nachts in das Gemach ihres Gatten und stahl den Trunk und trank ihn selber. Plötzlich wurde ihr Körper immer leichter und leichter, so dass sie gen Himmel flog und auf dem Mond landete. Dort baute sie sich einen Palast.
Houyi war bestürtzt, dass seine Frau ihn verlassen hatte. Doch er liebte sie so sehr, dass er den Mond nicht abschoss. So verbrachte Houyi den Rest seines Lebens damit, hinauf zum Mond zu schauen und an seine Frau zu denken.
So die Legenden. Laut meiner Lehrerin waren viele Chinesen völlig bestürtzt, als Neil Armstrong keine Kaninchen und keine Frau mit Palast auf dem Mond vorfand. Tja, so ist das Leben. Eben nicht so schön wie im Märchen.
